„Erdnüsse und Musik sind bei uns immer umsonst.“ So bringt Hanns Buschmann es auf den Punkt – das Geheimrezept eines Kölner Kultlokals, das es zu Weltruhm gebracht hat. Die Rede ist von Papa Joe’s Jazzlokal "Em Streckstrump" – einem kleinen Laden am Buttermarkt. Hanns‘ Vater – der berühmte „Papa Joe“, der mit bürgerlichem Namen Josef Wilhelm Buschmann heißt – war es, der das Lokal vor rund 45 Jahren eröffnete. „Jeden Tag Live-Jazz“ – das sei die Idee gewesen. Und sie ist es bis heute.
Abend für Abend treten am Buttermarkt Bands auf, sonntags sind es sogar zwei. Fast 16.300 Konzerte sind so schon über die Bühne gegangen, ein Ziffernblatt am Eingang zählt jedes einzelne. Eintritt zahlen die Gäste nicht, stattdessen sind die Getränke etwas teurer. Die Erdnüsse für den Knabberspaß gibt es wiederum kostenlos – und die Lizenz zum Krümeln noch dazu. „Die Schalen darf man bei uns einfach auf den Boden werfen“, sagt Hanns.
Während sein Vater anfangs noch mächtig die Werbetrommel rühren musste, um täglich Musiker für einen Auftritt zu finden, rennen die dem Papa Joe’s heute die Türen ein. „Deutschlands ältestes Jazzlokal mit täglichem Live-Jazz“ ist längst international bekannt. „Jeder Jazz-Musiker, der in Köln ist, will hier spielen“, sagt Hanns. Werbung machen muss er darum schon lange nicht mehr – stattdessen gilt es, all die Anfragen zu koordinieren. Welche Bands es ins Abendprogramm geschafft haben, verrät die hauseigene Zeitung: Schon seit über 30 Jahren informiert „Papa Joe’s Kunst & Bierblatt“ regelmäßig über sämtliche Termine.
Nun könnte man die Tatsache, dass eine Kneipe ihre eigene Zeitung hat, natürlich schon verrückt genug finden. Im Papa Joe’s ist das allerdings nur das Tüpfelchen auf dem berühmten i. Nicht nur das urige Interieur der Jazzpinte ist einzigartig – es wimmelt auch nur so vor Kuriositäten. Wer statt des hauseigenen Bieres – ein Obergäriges aus der Eifel – einen Cocktail bestellt, staunt nicht schlecht, wenn der „Cocktail Joe“ plötzlich seine Arbeit aufnimmt. Die von den Buschmann-Söhnen selbst konstruierte Maschine hinter der Bar mixt die Drinks nämlich per Knopfdruck.
Um in den Genuss dieses Spektakels zu kommen, muss man es allerdings erst einmal bis an die Theke schaffen. Vor allem an Wochenenden ist das mitunter kein leichtes Unterfangen – denn dann platzt das kleine Jazz-Lokal am Buttermarkt schnell mal aus allen Nähten. Vom 20- bis zum 70-Jährigen, vom Kölner bis zum Australier tummelt sich dann nämlich gefühlt die ganze Welt an diesem Ort.
Nicht minder bunt, dafür aber etwas geräumiger geht es ein paar Meter weiter am Alter Markt zu. Dort befindet sich nämlich das zweite „Papa Joe‘s“. Den „Biersalon Klimperkasten“ eröffnete Papa Joe nur drei Jahre nach dem Jazzlokal. Es ist ein Ort, der Gäste auf eine Zeitreise in die 20er-Jahre schickt. Unzählige historische Automaten und selbstspielende Musikinstrumente stehen hier – allesamt funktionstüchtige Originale.
Anders als im Jazzlokal können Gäste im Klimperkasten auch speisen – kölsche Klassiker versteht sich. Für die Zigarette danach gibt’s im Keller einen Kaugummizigaretten-Automaten. Wahlweise hilft auch der hauseigene Kräuterschnaps bei der Verdauung. Und wer stattdessen lieber die Lachmuskeln beansprucht, der lässt sich von der Witzemaschine „Papa Joke“ gegen Münzeinwurf einen von 500 Witzen vorlesen.